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Geschichte
der Jungviehweide
Wer auf der alten Römerstrasse
von Osterburken nach Möckmühl wandert und auf Sennfelder
Gemarkung kommt, sieht plötzlich nach dem alten Weg nach Korb ein
klein wenig versteckt in einer kleinen Mulde zur linken Hand die
Gebäude der Jungviehweide Sennfeld.
Die alte Römerstrasse bildet
hier die Wasserscheide zwischen dem Seckach- und dem Hergstbachtal. die
saftigen weiten Koppeln erstrecken sich vom Alten Korber Weg, am
Häseltwald vorbei bis zum Birkwald entlang der Korber
Gemarkungsgrenze. Drüben auf einer grünen Koppel sehen wir
das erst kürzlich aufgetriebene Jungvieh tummeln.
Junge Pferde galloppieren im
Wettstreit miteinander. Unten im Hergstbachtal erkennen wir die roten
Ziegeldächer von Korb und Leibenstadt.
Auf der anderen Seite der
Römerstrasse tief im Tal versteckt das reizend gelegene Dorf
Sennfeld. Hier lohnt sich eine Weile zu rasten und über die
Geschichte der Jungviehweide nachzudenken.
Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts
wagten sich einige weitsichtige Männer unter Führung des
Großherzoglichen Oberamtmannes Max Zöller vom Bezirksamt
Adelsheim eine Jungviehweide zu errichten.
Man schrieb zunächst die
Gemeinden des früheren Amtsbezirks Adelsheim an um nach geeignetem
Gelände zu fragen. Der Sennfelder Bürgermeister Louis
Gramlich schlug das Areal "Roßbrunner Hof " vor.
Der Landwirt Johann Bender aus
Sennfeld hatte dort bereits im Jahre 1900 ein Wohnhaus mit Stallung
errichtet. Das dazugehörige Gelände wurde mit 34 Morgen
Ackerland Eigentum der Grundherrschaft von Adelsheim und 4 Morgen
Eigentum des Landwirts Johann Bender. Der erste Teil
war
von Bender gepachtet.
Da bereits eine ergiebige Quelle
und außerdem von Bender als Reserve ein Brunnen gegraben war,
konnte man dem Vorschlag schon näher treten. Auch in den
trockensten Jahren war die Quelle noch nie versiegt. Allerdings soll
bei einer Besichtigung des Areals und der Quelle durch den Oberamtmann
der Sennfelder Bürgermeister Louis Gramlich mit seinem
Ratschreiber Heinrich Baur mit dem Wasser etwas nachgeholfen haben. Sie
sollen kurz vorher "Wasser gemacht haben."
An das beschriebene Areal grenzte
ein weiteres etwa 50 Morgen großes Gelände der
Grundherrschaft Rüdt von Collenberg in Bödigheim an, das sich
jederzeit für eine Erweiterung anbot. Der Pachtpreis des von der
Grundherrschaft von Adelsheim gepachteten Geländes betrug 12,00
Mark pro Morgen. Der Sennfelder Gemeinderat war bereit, bei der
Verwirklichung des Planes das größte Entgegenkommen zu
zeigen.
Endlich im Jahre 1910 war es
soweit. Der Großherz. Zuchtinspektor Hock hatte einen
Kostenvoranschlag ausgearbeitet, dem bereits der
Großherzogl.Landwirtschaftsinspektor Vielhauer zugestimmt hatte.
Die Gesamtkosten sollten hiernach 25.000,00 Mark betragen.
Die Jungviehweide sollte als
ein genossenschaftliches Unternehmen ins Leben gerufen werden, derart, daß jeder Genosse einen oder
mehrere Anteilscheine übernimmt und nach Einzahlung des Betrages sich jeder weiteren
Haftung entzieht. Die Anteilscheine waren mit einem Stückpreis von 50,00 Mark
erhältlich. Nach Zeichnung von 300 Anteilscheinen sollte der Deckungsfehlbetrag von 15.000,00
Mark aufgebracht werden.Mit einem Rundschreiben wandte sich Oberamtmann Zöller an alle Gemeinde-und Verwaltungsräte, ein Teilbetrag von 10.000,00 Mark sollte durch den badischen Staat, dem früheren Kreis Mosbach und der ehemaligen Landwirtschaftskammer aufgebracht werden, so daß nur noch 15.000,00 Mark zu decken waren. Oberamtmann Zöller gelang es, weiteste Kreise für seinen Plan zu gewinnen und zu interessieren. Dem Wert der gezeichneten Anteile stand der Wert des erworbenen Geländes gegenüber, so daß kein Risiko vorhanden war. Sicher hatte auch die Zusage von Oberamtmann Zöller seine Wirkung, wonach von der vorgesehenen Weidetaxe von 60 Mark pro Stück Vieh die Stadt 20 Mark, der Kreis 15 Mark und der landwirtschaftliche Verein 5 Mark übernimmt, sodaß für den Tierhalter selbst nur noch 20 Mark aufzubringen waren. Die Weidezeit war mit 130 Tagen jährlich angenommen. Nach den früher gemachten Erfahrungen sind bei einem Weiderind Gewichtszunahmen von durchschnittlich etwa 500 Gramm pro Weidetag anzunehmen. Der Fleischwert betrug 42 Pfennig. Die Weidetaxe auf den Tag berechnet kommt auf 46 Pfennig bei 130 Weidetagen zu stehen. Bei diesen Zahlen leuchtet es ohne weiteres ein, daß das Stück Vieh, wenn es von der Weide kommt, um nahezu soviel an Wert als Schlachtvieh zugenommen hat, als die Weidetaxe beträgt. Dazu kommt aber noch, dass dem Tierbesitzer während der Weidezeit die ganze Fütterung abgenommen ist, sodaß er Zeit und Arbeit spart. Selbstverständlich wird die Gesundheit der Tiere durch die Weide sehr gefördert. Weidetiere sind erfahrungsgemäß gegen Krankheiten nicht so leicht anfällig. Zunächst sollten in der Gemeinde Sennfeld 50 Anteilscheine untergebracht werden. Bei dieser Zuteilung erschien das Unternehmen gesichert. Am 07.März 1911 hatte der Sennfelder Gemeinderat beschlossen, 10 Anteilscheine zu zeichnen und auch die Bürgschaft für die jährlichen Pachtzahlungen gegenüber dem Verpächter zu übernehmen. Dem Bauländer Boten vom 27.Februar 1911 konnte man entnehmen, daß die Jungviehweide Sennfeld gegründet und als Genossenschaft in das Genossenschaftsregister beim Amtsgericht Adelsheim eingetragen war. Die genaue Bezeichnung lautete übrigens bis zum Jahre 1951 Jungviehweide Sennfeld GmbH. Sitz Adelsheim; ab 1951 wurde der Name geändert. An der
konstituierenden Versammlung haben auf Einladung von Oberamtmann
Zöller folgende Herren
teilgenommen:
Heinrich
Plösch,Landwirt in Sennfeld, Wilhelm Vokt, Landwirt und
Gemeinderat in Sennfeld,
Friedrich Herold,Landwirt in Sennfeld, Karl Horn, Landwirt und
Gemeinderat in Adelsheim,
Ludwig Rein, Landwirt und Gemeinderat in Sennfeld, Andreas
Hettinger,Landwirt und Bierbrauer
in Sennfeld, Ludwig Friedrich Gramlich in Sennfeld, Michael Gauer,
Landwirt in Sennfeld,
Heinrich Baur Ratschreiber in Sennfeld, Louis
Gramlich,Bürgermeister in Sennfeld.
Die Versammlung wählte
zunächst Oberamtmann Zöller zum Vorsitzenden. Landwirt und Gemeinderat Horn zum stellv. Vorsitzenden und
Ratschreiber Heinrich Baur zum Schriftführer.In den Aufsichtsrat wurden gewählt: Heinrich Plösch, Michael Gauer und Wilhelm Vokt aus Sennfeld. Unterdessen
waren in der Gemeinde Sennfeld bereits 109 Anteilscheine gezeichnet
worden und die Hälfte
des Betrages mit 2.725,00 Mark gezahlt.
Mit den Grundherrschaften
Adelsheim und von Bödigheim waren ebenfalls Pachtverträge auf
die Dauer von 30 Jahren
abgeschlossen. Die Gemeinde war vertraglich bereit, einen Waldstreifen
von ca. 2 m Breite an der
Ostseite des Birkwaldes kostenlos zu verpachten. Nunmehr waren auch
schon die ersten
Verpflichtungen auf die Hypothekenschulden entstanden,sodaß die
zweite Hälfte der gezeichneten Anteilscheine eingezogen werden mußte. Dies
geschah bereits im Jahre 1912. Die Älteren können sich noch erinnern, daß beim ersten Weideauftrieb
im Jahre 1911 schulfrei war.In den folgenden Jahren wurde das Weidegebiet durch Zupachtungen noch vergrößert. Als im Jahre 1914 bereits der 1.Weltkrieg seine Schatten vorauswarf, verließ der Initiator der Jungviehweide, Oberamtmann Max Zöller, infolge Versetzung, Adelsheim und gab seine erfolgreiche Arbeit an den Nachfolger, Oberamtmann v. Rotberg ab. Glücklich wurde das Inflationsjahr 1923 überstanden, wobei noch festgehalten wird, daß die Weidetaxe in diesem Jahr 120.000,00 Mark betrug. Der erste Weidewärter war Heinrich Ziegler aus Sennfeld. Als Vergütung wurde im Arbeitsvertrag festgehalten: ein festes Gehalt von monatlich 100 Mark für die Dauer des Weidebetriebes, freie Wohnung auf dem Roßbrunner Hof, das Recht 1 bis 2 Ziegen zu halten. Unser heutiger Weidewart ist Frau Susanne Danz zusammen mit Ihrem Ehemann Martin aus Adelsheim. Unter
Federführung vom ehemaligen Vorstand Wilhelm Friedrich ergriff man
im Zuge der Flurbereinigung
die Situation und machte sich Gedanken über die Versorgung der
Jungviehweide mit Wasser und Strom. In Eigenarbeit unter Mitwirkung freiwilliger Helfer,
sowie Vorstand und Aufsichtsrat setzte man im Jahre 1993/1994 dies in die Tat um. Vom Sennfelder Pumphaus
auf dem Korber Buckel legte man die Wasser-und Stromleitungen hinauf am Römerweg
entlang zum Gebäude der Genossenschaft.
Man wollte die neugeschaffene
Infrastruktur auch nutzen. Mit einem finanziellen Kraftakt wurde im
Jahre 2005 das Gebäude
grundlegend saniert.Es wurde eine Gasheizung neu eingerichtet. Ebenso
ein Bad.Durch
die Flurbereinigung in Sennfeld von 1992 bis 2006 wurde noch Land
hinzugekauft.
Die Gesamtfläche
beträgt 26ha 43ar 93m² und ist Eigentum der Genossenschaft.G.B.
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